[2018-11-15] Chancen und Grenzen des Dialogs

Zusammenfassung: Dr. Jussuf Windischer
Eindrücke von der “Chancen und Grenzen des Dialogs” – Veranstaltung am 15.11.2o18
Über 30 Interessierte beteiligten sich an diesem Austausch. Es gibt eine Geschichte des Dialogs, schon die den frühen Jahren der Ausbreitung des Islam, so Dr. El-Abdaoui, belegt mit Zitaten aus der Frühgeschichte des Islam. Vieles sei in Vergessenheit geraten, vieles müsse neu beforscht werden. Engpässe und Grenzen des Dialogs ergeben sich meist dann, wenn eine einzige Tradition des Islam verabsolutiert werde.

Den Islam gäbe es nicht – es gibt aber Vielfalt und Pluralismus. Diesen Pluralismus gibt es auch in den christlichen Traditionen. Unwidersprochen blieb auch, dass es den Dialog innerhalb der monotheistischen Religionen braucht – dies betrifft Muslime (Sunniten, Schiiten, Aleviten) und Christen (Katholische, evangelische, orthodoxe, freikirchliche u.a. Traditionen). Aufholbedarf ist angesagt.

Ein weiteres Hindernis ergibt sich, wenn absolute Wahrheitsansprüche, respektlose Missionsansprüche bestehen, ein Missachtung der Kernaussagen von Koran (5,69) und Bibel (zudem Enzykliken, wie NE 3). Dies schließt aber nicht eine Freude an der eigenen Religionstradition aus. Wenn viele Menschen mittun, teilhaben – umso schöner.

Kernaussagen verbinden: der Glaube an den einen Gott, die Würde des Menschen, der Glaube, dass alles von Gott kommt und wieder zu Gott geht. Zu entwickeln sei eine Theologie des Dialogs, die der exklusiven Theologie gegenübersteht. Ausgrenzungen widersprechen dem Dialog der Religionen.

Es war eine gut beteiligte auch hoffnungsvolle Begegnung – wohltuend in Zeiten, in denen so viel Hass, Abgrenzungen und und Feindbilder salonfähig und geschürt werden. Ein Dank dem Professor, der christlich muslimischen Dialoggruppe und auch den interessierten TeilnehmerInnen.

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IMPULS ZUM THEMA:
Angesichts des sich verändernden Gesellschaftsbildes, was zunehmend multikultureller und multireligiöser wird, ist für Christen und Muslime eine Auseinandersetzung mit anderen Religionen unumgänglich geworden. Im Integrationsprozess gehören Aufeinandertreffen aber auch Konfrontationen zum täglichen Leben dazu. Daher kann man getrost schon von einem Zwang zum Dialog auf kultureller und religiöser Ebene sprechen.

Die Fragestellung muss dabei lauten, welche Chancen und Möglichkeiten, aber auch welche Grenzen und Risiken er für beide Seiten bereithält. Um diese zu beleuchten, müssen zunächst Voraussetzungen deutlich gemacht und Wege der Annäherung beschrieben werden. Dies beginnt schon beim eigenen Selbst- und Fremdverständnis der Dialogpartner.

Weiterhin müssen dann offizielle Positionen auf beiden Seiten untersucht und geprüft werden, um so die Grundsteine für den Dialog zu legen. Daraufhin sollte man zunächst auf die Schnittmenge zwischen Christentum und Islam schauen, aber auch signifikante Unterschiede wahrnehmen, um so Chancen und Grenzen besser auszuloten zu können.

Bei der Untersuchung dieser Fragestellung fällt vor allem ins Auge, dass zwischen Muslimen und Christen schon aufgrund der monotheistischen Tradition und der gemeinsamen abrahameischen Abstammung zahlreiche Verbindungslinien bestehen. Somit ist die Grundlage für den Dialog bereits gelegt. Jedoch müssen auch einige scheinbar unüberbrückbare Differenzen betrachtet werden, die manchen Dialogversuch ungeheuer erschweren können. Insgesamt kann dennoch festgehalten werden, dass die Anzahl der Chancen und Gemeinsamkeiten die der Risiken und Unterschiede klar übertrifft.